Die Geschichte von Perl, dem Wassertropfen

Die Geschichte von Perl, dem Wassertropfen

Unsere Umweltbildnerin Ute van Alphen aus Krefeld hat eine wunderschöne Geschichte über den Kreislauf des Wassers für ihre Umwelt-Agenten geschrieben, die wir keinem vorenthalten möchten!

Die Geschichte von Perl, dem Wassertropfen

Perl, der Wassertropfen, befand sich in einem Meer. Das war so riesig, dass Milliarden von Wassertropfen darin schwammen. Sie hingen zwar alle zusammen, aber der einzelne Tropfen wusste das gar nicht. Er wusste auch nicht, wie riesig das Meer, in dem er schwamm, war.

Eines Tages fand unser Perl es so langweilig, dass er ausbrechen wollte aus dem Meer. Er fragte seine Nachbarn, wie er das wohl anstellen könnte.  Aber die lachten ihn nur aus und meinten, das wäre unmöglich. Da wurde Perl ganz traurig, schwamm weinend vor sich hin und produzierte so wieder neue Wassertropfen. Das war Teil des Geheimnisses: Wenn Wassertropfen traurig sind, dann weinen sie und machen neue Tropfen. Sobald die neuen Tropfen im Meer angekommen waren, trösteten sie Perl. Sie sagten ihm, dass es eine Lösung gäbe und der Kreislauf würde alles regeln. „Welcher Kreislauf?“, dachte Perl. „Ist hier am Ende doch noch was los?“

Perl fasste neuen Mut und schwamm weiter vor sich hin. Da kam ihm ein Stück Treibholz entgegen und rammte Perl. Perl beschwerte sich lauthals und sah sich seine Beule an. Die Beule verschwand aber sofort wieder, weil Wassertropfen immer wieder ihre alte Form wiedererlangen – eben wie Wassertropfen.  Trotzdem fand Perl das Treibholz ziemlich  rücksichtslos. Das Treibholz entschuldigte sich und erklärte, es wäre vor 128 Jahren mit einem Schiff untergegangen. Es brach auseinander und viele  kleine Treibholzstücke entstanden, die jetzt im Meer schwimmen. „Es könnte also sein, dass noch mehr von mir kommen“, warnte das Treibholz. „Wie schön“, dachte Perl und freute sich, dass endlich was los war. „Das ist ja toll! Ich möchte auch untergehen! Dann lerne ich neue Lebewesen kennen.“ Aber seine Nachbarn lächelten nur mitleidig, weil ein Wassertropfen nicht untergehen kann. Perl lächelte die Sonne an und spürte, dass sicher irgendetwas passieren würde.

Und in der Tat! Die Sonne flimmerte und glitzerte, als wolle sie Perl etwas sagen. Es wurde immer wärmer. Seine Nachbarn merkten schon so einen Sog. „Oh, wie wird mir? Ich werde nach oben gezogen. Endlich tut sich was. Ich gehe zwar nicht unter, dafür werde ich aus dem Meer gezogen.  Das Abenteuer beginnt.“ Perl wurde immer länger und länger. So schnell sollte das Meer ihn nicht preisgeben. Bis der Sog so stark wurde, dass Perl abhob in die Luft, der Sonne entgegen. Er hatte das Gefühl, dem Paradies entgegen zu schwimmen. Plötzlich brauchte er gar nicht mehr zu schwimmen. Er konnte jetzt fliegen.  Fliegen können doch sonst nur Vögel, und die haben Flügel. Bis zur Sonne war es anscheinend gar nicht mehr so weit. Sie wurde größer und heller und wärmer. Wärme wurde zu Hitze. Perl merkte an sich eine Veränderung.

Er wurde nicht nur immer länger, sondern regelrecht auseinander gezogen. Perl wurde immer kleiner und neben ihm flogen immer mehr Perls. Perl perlte auseinander. Das war also das Abenteuer. Er wurde vom Tropfen zum Tröpfchen und zum Mikrotröpfchen, bis er nur noch Dampf war. Unser Perl hatte nun eine andere Form und schwamm nicht mehr, sondern schwebte über dem Meer. Beim Umschauen sah er nur Weiß. „Was ist los, wo bin ich, was bin ich?“ Perls Nachbarn wussten schon Bescheid. Sie verrieten ihm, dass sie von nun an kein Meer sind, sondern eine Wolke. Da führte Perl einen Freudentanz auf. Dabei genoss er den Blick nach unten auf das Meer, das er so langweilig fand. Während die Wolke über Meere, Berge, Land und Seen schwebte, veränderten sich Perl und seine Nachbarn immer wieder. Mal wurden sie dunkel, dann wieder schneeweiß, mal wurden sie zu Kristallen. Jedes Kristall sah anders aus, aber alle wirkten wie wunderschöne Edelsteine.

Auch Perl war zu einem Edelstein geworden. Perl hörte ein sehr lautes Geräusch von vorn. Er konnte nichts sehen, aber es wurde immer lauter. Er horchte sehr angestrengt in die Richtung und als das Geräusch ohrenbetäubend laut wurde, sah er etwas Riesiges auf die Wolke zu kommen. Im letzen Augenblick konnte er nur noch einen großen Vogel aus Blech erkennen, um im selben Moment von den anderen getrennt zu werden. Perl wunderte sich nicht mehr. Schließlich war das Abenteuer ja genau das: Diese dauernden Veränderungen. Er fand sich auf der Oberfläche eines Flugzeuges wieder. Er klebte regelrecht fest ohne sich festzuhalten. Der Lärm  übertönte alle anderen Geräusche, also pfeifenden Wind und das Schreien der Vögel. Das Flugzeug nahm seine Route durch andere Wolken hindurch und Perl hängte sich mit aller Kraft an diese Wolke. Irgendwie war ihm der Flug nicht ganz geheuer.

Die neue Umgebung glich der Wolke, die er zwangsläufig verlassen musste, sie war weiß. Allerdings sehr viel größer. Ja, sie war ein richtiges Wolkenband. Zwischenzeitlich veränderte Perl wieder seine Form. Er war wieder ein Mikrotröpfchen. In der Wolke war Aufregung. Man munkelte von dem großem Zusammenschluss, um dann gemeinsam in eine neue Welt zu reisen. Für Perl eine willkommene Abwechslung. Wieder änderten alle Tropfen ihre Farbe. Sie waren alle hell- oder dunkelgrau. Donner war von Ferne zu hören und Blitze erhellten für Sekunde die ganze Szene. Perl hatte das Gefühl, zerrissen zu werden. Ganz wohl war ihm bei der Sache nicht, aber aussteigen konnte er nicht. Mitgehangen, mitgefangen. Auf dem Höhepunkt angelangt, wurde Perl wirklich zerrissen. Alle anderen übrigens auch. Als Regentropfen lösten sie sich aus der Wolke, glitten durch die Luft, von Donner und Blitz begleitet, trafen sie auf dem Boden auf, wo sie eine Pfütze bildeten, also ein Mini-Meer.

„Etwas kleiner“, dachte Perl während er von einem Fuß plattgetreten wurde. Gleich danach nahm er aber wieder die Tropfenform an. In dieser Pfütze war viel Bewegung. Als nächstes wurde er von einem Reifen getroffen und formte sich wieder zurück. Perl bemerkte, dass sie Pfütze immer kleiner wurde und auch, dass da wieder die Sonne von oben ihre Strahlen auf die Pfütze schickte. Da lächelte Perl und dachte: „Jetzt geht alles wieder von vorne los. Mal sehen, wo ich demnächst lande?“

Habt ihr eine Idee?
Wasserfall, Bergsee, Quelle, Kläranlage, Eiswürfel, Schnee, ...

von Ute van Alphen

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